Bericht Öko-Sommertour 2016

Erneuerbare Energien und nachhaltiger Konsum – darum ging es bei der diesjährigen Öko-Sommertour von Simone Peter. Vom Bioenergiedorf Bollewick an der Mecklenburgischen Seenplatte bis zur Solarsiedlung am Freiburger Schlierberg führte die Reise durch neun Bundesländer. Ziel auch dieser Sommertour war, mit engagierten Menschen ins Gespräch zu kommen, die in ihrem jeweiligen Feld Pioniergeist beweisen –als Tüftler*innen oder Berater*innen, als Unternehmer*innen oder Wissenschaftler*innen. Und allen Hindernissen zum Trotz, die entlang des Wegs auch sichtbar wurden, waren der Zukunftsmut und der Tatendrang dieser Menschen hochgradig ansteckend.

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Solarsiedlung Freiburg

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Solarsiedlung Freiburg

Den passenden Auftakt zur Sommertour bildete die Intersolar in München als weltweit führende Messe für die Solarwirtschaft. Was vor 25 Jahren als eintägige Vortragsveranstaltung für Studierende mit einer Handvoll Solarunternehmen begonnen hatte, präsentiert sich seit einigen Jahren als globale Leistungsschau. Dieses Jahr mit über 1.077 Ausstellern aus den Bereichen Photovoltaik, Energiespeicher, Systemdienstleistungen und Solarthermie, allerdings immer weniger aus deutscher Produktion . Die Stimmung in den Messehallen schwankte daher zwischen dem ungebremsten Optimismus einer Branche, die weltweit ihren Siegeszug angetreten hat, und der tiefen Enttäuschung über die Entwicklung auf dem deutschen Markt.

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Solarworld-Stand auf der Intersolar

Hier sind die Neuinstallationen als Folge der drastischen Merkel‘schen Kürzungen bei der Photovoltaik-Förderung um über 80% eingebrochen, von über 7.500 MW im Jahr 2012 auf unter 1.500 MW im vergangenen Jahr. Der dadurch besiegelte Niedergang der heimischen Hersteller von Solaranlagen und Modulen war auch auf der Intersolar zu greifen, wo, wie auf dem Weltmarkt auch, heute asiatische Hersteller dominieren und deutsche Unternehmen sich zum Teil gezwungen sehen, über Produktionsverlagerungen nachzudenken. Standbesuche bei Solarworld AG, SMA Solar Technology oder der Krannich Group bestätigten das enorme Misstrauen in die nationalen politischen Rahmenbedingungen, die Planungs- und Investitionssicherheit einer innovativen Branche erheblich einschränken. Vor allem die EEG-Novellen der letzten Jahre haben die Situation für die Erneuerbaren deutlich verschlechtert.

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Stand von Krannich Solar

Neue Geschäftsmodelle wie das von Next Kraftwerke GmbH praktizierte Zusammenschalten von Windkraft, Sonnenenergie, Wasserkraft und Biomasse zu virtuellen Kraftwerken, der Einstieg von Mercedes-Benz Energy in das Stromspeicher-Geschäft oder die am Rande der Messe viel diskutierten Mieterstrom-Modelle sind zwar Hoffnungsstreifen am Horizont. Doch eins wurde in allen Gesprächen klar, auf der Messe in München und auch zwei Wochen später bei Pfalzsolar in Ludwigshafen und den Stadtwerken St. Ingbert im Saarland: Es wird einen Politikwechsel bedürfen – raus aus Kohle und Atom und mit voller Kraft rein in die Erneuerbaren – um die riesigen Potentiale der Energiewende für den Klimaschutz, wirtschaftliche Dynamik und neue Jobs wieder zu aktivieren.

st 6BB-Energy Talk Berlin

Genau darum ging es auch bei einem Diskussionsabend des Berlin-Brandenburg-Energy Network zum Thema „Energiewende auf der Kippe – wer bremst, wer drängelt?“. Die anwesenden Unternehmer*innen fühlen sich in ihrem Engagement für die Energiewende durch die nationale Gesetzgebung zunehmend ausgebremst. Sie wollen in die Zukunft investieren und regionale Wertschöpfung schaffen. Denn ihnen ist klar: der Übergang zu 100% Erneuerbaren Energien ist nicht nur möglich, er ist unverzichtbar, wenn wir eine lebenswerte Welt für unsere Kinder bewahren wollen!

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Schacht Konrad

Was wir dabei hinter uns lassen, führt eine Besichtigung von Schacht Konrad im Stadtgebiet Salzgitter vor Augen, gut 1000 Meter unter der Erdoberfläche. Seit 40 Jahren wird die Umrüstung des stillgelegten Eisenerz-Bergwerks zu einem Endlager für bis zu 303.000 Kubikmeter radioaktiver Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung schon untersucht, geplant und vorangetrieben. Aktuell liegen die Arbeiten etwa vier Jahre hinter dem Plan. Schacht Konrad veranschaulicht die gewaltige Herausforderung, gefährlichen Strahlenmüll über Zehntausende von Jahren möglichst sicher aufzubewahren. Die Atomkonzerne und ihre Unterstützer in der Politik haben diese Aufgabe jahrzehntelang systematisch unterschätzt. Umso wichtiger ist es, dass wir mit dem Atomausstieg endlich aufhören, immer weiter zusätzlichen Atommüll zu produzieren. (Zum Weiterlesen hier der Link zur Pressemitteilung von Simone Peter zum Besuch in Schacht Konrad.)

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Solar Explorer

Dass wir den Übergang zu 100% Erneuerbaren schaffen werden, allen Widerständen zum Trotz, haben inspirierende Beispiele auf der Sommertour immer wieder aufs Neue gezeigt: Der Besuch bei dem Solararchitekten und Vordenker Rolf Disch, der in Freiburg und weit darüber hinaus aus architektonischen Visionen Wirklichkeit werden lässt. Eine eindrucksvolle Fahrt mit dem Forschungs- und Schulungsschiff „Solar Explorer“ über den Werbellinsee, das klimafreundliche Mobilität mit Bildung für nachhaltige Entwicklung in hervorragender Weise verbindet; ein perfektes Konzept, um bei Jung und Alt Interesse an Erneuerbaren Energien zu wecken. Oder die Erkundung des Bioenergieenergiedorfs Bollewick, ein Vorzeigedorf im Südwesten des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern, das als Bioenergiedorf, Biolandwirtschaftsdorf, 55-Plus-Siedlungsdorf für Ältere und Kunsthandwerkdorf zeigt, wie Orte mit Nachhaltigkeitskonzepten Attraktivität zurückgewinnen und dem demografischen Wandel trotzen.

st 9Bioenergiedorf Bollewick

Um Bioenergie im weiteren Sinne ging es auch bei meinem Besuch bei der Neumarkter Lammsbräu, der größten und traditionsreichsten Bio-Brauerei der Welt. Das bayrische Vorzeigeunternehmen setzt Standards in punkto ökologischer Nachhaltigkeit und fairer Partnerschaft mit den Biobauern. Der Satz des Lammsbräu-Inhabers Franz Ehrnsperger „Das Reinheitsgebot beginnt auf dem Acker! “ klingt noch nach, als es später auf der Tour zur Ölmühle Bliesgau, zum Biolandhof Wack in Ommersheim und zum Urban Gardeining-Projekt hack-gARTen in Ludwigshafen geht.

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Lammsbräu Brauerei Neumarkt

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hackgARTen Ludwigshafen

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Stadtwerke St. Ingbert

Die Menschen, Projekte und Unternehmen, die die Sommertour 2016 vor Ort begleiten, leisten ihren Beitrag zum ökologischen Wandel in unserem Land. Sie brauchen politische Unterstützung, damit das, was sie aufbauen, nicht an anderer Stelle wieder eingerissen wird. Deshalb gehörte schließlich auch ein Abstecher zur Greenpeace-Zentrale in Hamburg zum Programm der Sommertour. Hier ging es um den gemeinsamen Widerstand gegen die Handelsabkommen TTIP und CETA, die Umwelt-, Sozial- und Verbraucherschutzstandards auf beiden Seiten des Atlantiks gefährden. Um die verfehlte EU-Agrarpolitik, die falsche Schwerpunkte setzt auf industrielle Landwirtschaft und Massentierhaltung; und um eine zaghafte Klimaschutzpolitik, die es national wie europäisch versäumt, die notwendigen Maßnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung und zum Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen zu setzen. Hier ist ein Umsteuern der Politik gefordert, damit die vielen vorbildlichen Projekte im Land Rückenwind bekommen.

 

Weitere Berichte rund um Simones Sommertour:

Münchener Abendzeitung: Simone Peter: „Sollten über grüne Bundespräsidentin nachdenken“

PV-Magazin: Simone Peter zu Besuch bei Pfalzsolar

Rheinpfalz: Ab in den Garten

Grüne Bundesvorsitzende besuchte den Barnim

SR: Simone Peter auf Sommertour im Saarland

Saarbrücker Zeitung: Stadtwerke zeigen ihre grüne Seite – Grünen-Bundesvorsitzende Peter beim Unternehmen zu Gast

Saarbrücker Zeitung: Peter für Rot-Rot-Grün im Bund

Badische Zeitung: Grünenchefin Simone Peter wünscht sich ein Linksbündnis

Ostsee-Zeitung: Landtagswahlkampf: Spitzenpolitiker besuchen Nordosten

Simone Peter beim Grünen Sommerfest

 

 

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