Homophobie ins Abseits!

Zum Internationalen Tag gegen Homophobie erklärt Simone Peter, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

„Der Kampf gegen Homophobie bleibt eine essentielle gesellschaftliche Aufgabe in Deutschland und der Welt. Der Erfolg von Conchita Wurst ist auch ein Erfolg der Schwulen-, Lesben- und Transgenderbewegung in Europa. Doch manche Reaktionen zeigen aktuell genauso deutlich, dass Homophobie noch lange nicht der Vergangenheit angehört. Es ist ein Skandal, dass Russland soeben erst eine Parade für die Eurovision Siegerin in Moskau verboten hat.

Die Weltgesundheitsorganisation hat Homosexualität als vermeintliche Krankheit bereits vor fast einem Vierteljahrhundert aus ihrem Diagnoseschlüssel gestrichen. Aber immer noch werden Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Trans- und Intersexuelle sowie queere Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung gedemütigt, verfolgt oder sogar ermordet. Nicht nur, aber insbesondere am heutigen Internationalen Tag gegen Homophobie versichern wir ihnen unsere Solidarität und Unterstützung.

Erschreckend ist die Lage für Homosexuelle insbesondere in einigen afrikanischen und arabischen Staaten. In Nigeria werden Homosexuelle öffentlich verfolgt, in Uganda rufen sogar Politiker zur Ermordung von Schwulen und Lesben auf. Deutschland muss den Druck auf diese Länder erhöhen und unmissverständlich einfordern, dass Menschenrechte auch für Homosexuelle gelten. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 soll in einem Land stattfinden, in dem Homosexuellen jahrelange Gefängnisstrafen drohen – ein weiterer Grund, warum FIFA-Präsident Sepp Blatter Worten Taten folgen lassen muss: Katar darf nicht Austragungsort bleiben.

Am Tag des Endspiels im DFB-Pokal muss es auch im Fußball heißen: Homophobie ins Abseits! Das Outing von Thomas Hitzlsperger war ein Meilenstein – doch es bleibt noch viel zu tun. Nach wie vor gibt es keinen Fußballspieler, der vor seinem Karriereende seine Homosexualität öffentlich gemacht hat. Hier sind die Sportverbände gefordert, einen Kulturwandel voranzubringen. Doch es kommt auch auf das gesellschaftliche Klima an: Die Bundesregierung muss auch in Deutschland endlich konsequent die volle Gleichstellung von Homosexuellen durchsetzen. Ideologie und Bauchgefühle sind keine Argumente gegen die Öffnung der Ehe und das volle Adoptionsrecht für Schwule und Lesben. Andere Länder sind hier schon deutlich weiter. Gegen weiter bestehende homophobe Einstellungen in Teilen der Gesellschaft brauchen wir einen Nationalen Aktionsplan für Vielfalt.

Und zwanzig Jahre nach der Streichung des §175 StGB warten immer noch rund 50.000 schwule Männer auf Rehabilitierung und Entschädigung. Dieses Unrecht muss von der Bundesregierung unverzüglich behoben werden.“

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