Haiyan mahnt zu engagiertem Klimaschutz

Ein Eisberg schwimmt im Meer. Im Hintergrund sind Berge mit schneebedeckten Wipfeln.

Wir brauchen internationale Konzepte um die Klimakatastrophe aufzuhalten und die Zunahme von Wetterextremen zu bremsen. Foto: © dpa

Simone Peter zeigt sich im Interview betroffen über die Schäden durch Taifun Haiyan und fordert die Weltklimakonferenz zu entschlossenem Handeln und der Prävention von Klimakatastrophen auf. Die bisherigen Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen geben ihr zufolge aber das falsche Signal und bremsen die Energiewende aus.

gruene.de: Simone, siehst du in dem Wirbelsturm auf den Philippinen einen direkten Effekt der Erderwärmung?

Taifun Haiyan hinterlässt unermesslichen Schmerz und gewaltige Zerstörung. Die Betroffenen brauchen jetzt schnell unsere Hilfe. Deswegen unterstützen wir Spendenappelle, über die Nothilfe in die Region gebracht werden sollen. Katastrophen wie Taifun Haiyan führen uns einmal mehr vor Augen, welche Gewalt die Natur hat und wie schutzlos Menschen ihr oftmals ausgeliefert sind. Bei einem einzelnen Wirbelsturm lässt sich nicht sagen, ob ein Zusammenhang zum Klimawandel besteht. Es spricht aber viel dafür, dass Wirbelstürme durch die Erderwärmung heftiger und zerstörerischer werden. Deswegen müssen wir Katastrophen wie auf den Philippinen vorbeugen – gerade auch auf der heute beginnenden Welt-Klimakonferenz in Warschau.

Die globale Klimapolitik gilt vielen bereits als gescheitert. Was erwartest Du von der Klimakonferenz?

Wir brauchen internationale Konzepte, um den Klimawandel aufzuhalten und die Zunahme von Wetterextremen zu bremsen. Ich fürchte aber auch, dass die kommende Konferenz in Polen wieder eine Schlafwagen-Veranstaltung wird. Dabei bräuchte es gerade jetzt neue Impulse, um in Paris 2015 tatsächlich ein neues Klima-Abkommen zu schließen. Dazu müssten Deutschland und die EU eine Vorreiterrolle übernehmen. Doch tatsächlich tun sie das Gegenteil: In Deutschland boomt die klimaschädliche Kohle und der europäische Emissionshandel liegt am Boden. Das ist nicht nur fatal fürs Klima, es ist auch wirtschaftlich kurzsichtig, Das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung hat vorgerechnet, dass Klimaschutz umso teurer wird, je später wir damit anfangen. Wenn wir jetzt mit den Maßnahmen beginnen, um den den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, kostet uns das jährlich zwei Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Beginnen wir erst 2030, schnellen die Kosten auf sieben Prozent hoch. Die Klimaschäden und Klimaflüchtlinge machen deutlich, dass die Weltgemeinschaft hier vor der sozialen Frage des Jahrhunderts steht.

Die Energiepolitik einer künftigen großen Koalition nimmt langsam Gestalt an. Wie bewertest du die ersten Verhandlungsergebnisse?

Die große Koalition stellt die Energiewende auf den Kopf. Erneuerbare Energien werden ausgebremst, alte Kohlekraftwerke gefördert. Die Planungssicherheit für die Akteure der Energiewende ist dahin. Besonders problematisch sind die Kürzungen bei der Windenergie. Wenn die Förderung nun, wie geplant, auf die Standorte im Norden konzentriert wird, dann gefährdet das die Versorgungssicherheit im Süden und Westen, wo der meiste Strom verbraucht wird. Außerdem müssen mehr teure Netze gebaut werden, um die Windenergie im Land zu verteilen. Bei der Energieeffizienz leistet die große Koalition einen Offenbarungseid. Die Effizienzziele wurden von Schwarz-Rot komplett abgeräumt – damit fällt die große Koalition sogar noch hinter Schwarz-Gelb zurück. Hingegen bleiben die üppigen Industrieprivilegien unangetastet. Eine wirkliche Entlastung der VerbraucherInnen ist so nicht möglich, dabei wären hier vier Milliarden Euro für die Stromkunden herauszuholen.

Hier erhältst du die Möglichkeit, für die Opfer von Haiyan zu spenden.

Quelle: www.gruene.de

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