„Es ist spät, aber noch nicht zu spät“

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Wir GRÜNE fordern eine wirkliche Energiewende, die neben der Stromversorgung auch die Bereiche Verkehr und Wärme ökologisch umgestaltet. Foto: © dpa

Im Interview kommentiert Simone Peter den neusten Bericht des Weltklimarates. Angesichts der günstigen Kostenprognose fordert sie einen verantwortungsvollen Klimaschutz durch die Weltgemeinschaft. Im Hinblick auf die kritische Situation in der Ost-Ukraine begrüßt sie das landesweite Referendum.

Guten Tag Simone, der Weltklimarat hat heute seinen fünften Sachstandsbericht vorgestellt. Welche Erkenntnisse ziehst du daraus?

Der Bericht macht sehr deutlich, wie bedrohlich die Lage des Weltklimas ist. Seit den 1970er Jahren steigen die Temperaturen kontinuierlich an. Besonders dramatisch ist der Anstieg der Kohlendioxidemissionen dabei zwischen 2000 und 2010 ausgefallen. Die Kohlekraft, das hat der Weltklimarat klar benannt, ist der Klimakiller Nummer eins und eine wesentliche Ursache dieser Entwicklung.

Wie sehen die grünen Antworten auf die Klimakatastrophe aus?

Ohne eine massive Änderung der Energieversorgung werden wir die Erderwärmung nicht aufhalten können. Vor allem die Erneuerbaren Energien müssen endlich großflächig zum Einsatz kommen. Hinter den Schreckensmeldungen verbirgt sich auch eine positive Botschaft: Es ist noch nicht zu spät für ein Gegensteuern. Die internationale Staatengemeinschaft muss handeln und die Chancen der Energiewende nutzen. Der Weltwirtschaft wird das nicht schaden, schließlich sind damit Innovationen und Investitionen verbunden. Für die Europäische Union sollte das ein zusätzlicher Anreiz sein, ambitionierte Klimaschutzziele zu verabschieden und mit gutem Beispiel voranzugehen.

Die Energiepolitik hat auch eine außenpolitische Dimension. Wie kann Deutschland durch die Energiewende unabhängiger von Importen werden?

Wir GRÜNE haben schon mehrfach darauf hingewiesen, dass auch die Wärmeversorgung Gegenstand der Energiewende sein muss. Dadurch ergibt sich die Chance, unabhängiger von den Öl- und Gasquellen anderer Länder zu werden. Momentan ist es noch so, dass jeder Bürger über 1000 Euro pro Jahr für Energieimporte ausgibt. Deshalb sollten wir konsequent die Chancen nutzen, die sich aus der Gebäudesanierung durch mehr Energieeffizienz und Elektro-Mobilität ergeben.

In der Ost-Ukraine spitzt sich die Lage weiter zu. Welchen Beitrag erwartest du von Russland, um den Frieden in der Region zu garantieren? Und wie bewertest du den Vorschlag der ukrainischen Übergangsregierung, ein Referendum über die föderale Struktur des Landes abzuhalten?

Zunächst einmal sind alle Seiten aufgefordert, zu deeskalieren. Von Russland erwarte ich, dass es sich von den pro-russischen Separatisten distanziert und die Truppen zurückzieht, die an der Grenze eine Drohkulisse aufgebaut haben. Die Ankündigung des ukrainischen Übergangspräsidenten, ein landesweites Referendum durchzuführen, halte ich für das richtige Signal. Die Bürger und Bürgerinnen des Landes sollten mit ihrer Stimme an der Zukunft des Landes mitwirken können.

Und die EU? Spielt sie momentan überhaupt eine Rolle?

Es ist unter anderem die Aufgabe der EU, den Haushalt und die Wirtschaft der Ukraine durch Finanzhilfen zu stabilisieren. Daneben muss die EU weiter moderieren zwischen Russland und der ukrainischen Übergangsregierung und die Deeskalation des Konflikts im Blick behalten. Nebeneinander statt Gegeneinander, muss hier die Devise lauten. Gemeinsam mit den USA sitzt sie selber am Verhandlungstisch, wenn es darum geht die Zukunft der Ukraine und der Gesamtregion zu bestimmen.

Quelle: www.gruene.de

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